Portfolio des Geschäftsführenden Direktors
Networked Agency Working Group/Arbeitsgruppe “Networked Agency”
Die Networked Agency Working Group/ Arbeitsgruppe “Networked Agency” bringt Stipendiat:innen zusammen, die institutionelle Innovationen entwickeln, um Gemeinschaften, die sich durch Mobilität, Vielfalt und grenzübergreifende Zugehörigkeit auszeichnen, zu ermöglichen, eine echte kollektive Governance innerhalb von Systemen auszuüben, in deren Rahmen sie derzeit als passive Empfänger behandelt werden. In vier bis fünf Projekten untersucht die Gruppe, wie Netzwerke, die unterschiedliche Grenzen, Glaubensrichtungen und Institutionen umfassen, sich als anerkannte Akteur:innen konstituieren können, um in der Lage zu sein, gemeinsam zu beraten, Ressourcen zu bündeln und die Strukturen zu gestalten, die ihr Leben beeinflussen.
Die Stipendiat:innen arbeiten in einer Vielzahl von Kontexten – darunter vertriebene und in der Diaspora lebende Bevölkerungsgruppen, die eine transnationale politische Vertretung anstreben, jüdische und muslimische Gemeinschaften, die sich in einem gemeinsamen zivilen Leben navigieren, und Universitäten, die mit verschiedenen Interessengruppen zusammenarbeiten, um responsivere Institutionen aufzubauen. Die Projekte haben eine gemeinsame Prämisse: Die organisatorischen Kapazitäten, die erforderlich sind, um diese Systeme neu zu gestalten, sind in den Gemeinschaften selbst bereits vorhanden – was fehlt, ist eine institutionelle Infrastruktur, die dies anerkennt und unterstützt. Durch die Entwicklung konkreter Demonstratoren und durch die Zusammenarbeit mit Kommunalverwaltungen, Universitäten, humanitären Organisationen und partnerschaftlichen Akteur:innen der Zivilgesellschaft will die Gruppe sowohl die Praxis als auch die allgemeine davon verändern.
Informational Democracy Working Group/Arbeitsgruppe „Informational Democracy”
Demokratie war schon immer ein informationsbasiertes Projekt – ihr Erfolg hängt davon ab, ob die Bürger:innen sich ein fundiertes Verständnis der Welt aneignen, gemeinsam beraten und die Machthaber zur Verantwortung ziehen können. Diese Infrastruktur steht derzeit unter bisher nie dagewesenem Druck. Der Zusammenbruch traditioneller Torwächter, die Fragmentierung gemeinsamer epistemischer Wissensbestände durch algorithmische Medien und das Aufkommen KI-generierter Inhalte haben zusammen eine Krise hervorgerufen, die nicht nur technologischer, sondern auch institutioneller Natur ist: ein strukturelles Missverhältnis zwischen den Informationsbedingungen, die ein demokratisches Leben erfordert, und den tatsächlich vorherrschenden Bedingungen.
Diese Arbeitsgruppe, die am Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialforschung einberufen wurde, bringt wissenschaftliche und praxisorientierte Forscher:innen aus den Bereichen der Komplexitätswissenschaft, Demokratietheorie, Kognitionsforschung, computergestützten Sozialwissenschaft und des institutionellen Designs zusammen, wobei gezielt auch nicht-westliche demokratische Kontexte vertreten sind, um dieses Ungleichgewicht als Designproblem anzugehen. Ihre Leitprämisse lautet, dass Komplexität kein Hindernis ist, das es zu überwinden gilt, sondern eine permanente Bedingung, unter der demokratische Institutionen lernen müssen zu funktionieren. Die Gruppe fragt, wie Institutionen, die unter diesen Bedingungen epistemisches Vertrauen aufrechterhalten können, konkret aussehen würden – wie Erkenntnisse aus der Komplexitätswissenschaft, der Forschung zur kollektiven Intelligenz und neuen deliberativen Instrumenten in konkrete Governance-Architekturen umgesetzt werden können. Im Laufe eines Jahres entwickeln die Kerngruppenmitglieder nachhaltige, originelle Ansätze zu fünf Fragestellungen: Gestaltung epistemischer Resilienz, KI-gestützte Deliberation, Architektur des Vertrauens, Information als politische Ökonomie und systemische Dynamiken, die der demokratischen Fragmentierung zugrunde liegen. Das Ziel ist eine intellektuelle Arbeit von echter Tragweite – und ein Beitrag zur Neugestaltung demokratischer Institutionen für die Welt, wie sie tatsächlich ist.
Futures of Difference
Futures of Difference is a multi-platform knowledge initiative exploring how social categories— especially (but not limited to) race, ethnicity, gender, sexuality, disability, age—are rapidly transforming amid three colliding global forces: social complexification, demographic transformation, and the rise of right-wing populism. Led by Steven Vertovec, the initiative comprises a five episode podcast series featuring conversations with journalist Georg Diez and leading scholars (including Michele Lamont, Dan Hiebert, Miri Song, Ye Junjia, and Ann Phoenix), a Substack platform offering subscription-free essays and research analyses, plus a YouTube channel with short films of top academics and a webinar series with discussions involving social scientists from the Global South. A Futures of Difference website links all of these modalities. Welcoming perspectives from individuals from around the world, it aims to foster critical dialogue about how categories of difference shape— and are shaped by—changing social and political processes.