Margherita Cusmano ist Postdoktorandin und Koordinatorin des Forschungsbereichs „Migration und Grenzen“ in der Abteilung für Ungleichheit, Transformation und Konflikt. In ihrer Forschung untersucht sie, wie die Position von Menschen innerhalb der sozialen Struktur sowohl den Inhalt ihrer politischen Einstellungen als auch ihre wahrgenommene Legitimität, diese zu äußern, prägt. Mit dem Schwerpunkt auf Migration untersucht sie in ihrer Arbeit zunächst, inwieweit die eigene Migrationsgeschichte diese politischen Standpunkte beeinflusst, insbesondere im Hinblick auf ökonomische Ungleichheit. Darüber hinaus untersucht sie, wie Personen mit Migrationsgeschichte ihren Anspruch auf die Äußerung politischer Meinungen aushandeln und unter welchen Bedingungen sie als legitime Teilnehmer an der öffentlichen Debatte anerkannt werden. Um diese komplexen Dynamiken zu erfassen, wendet sie einen Mixed-Methods-Ansatz an, der quantitative Umfragedaten mit qualitativen Interviews und Gruppendiskussionen verknüpft.

Forschungsinteressen:

  • Soziale Ungleichheit und Sozialstruktur
  • Migrationssoziologie
  • Politische Soziologie
  • Mixed-Methods-Designs
  • Quantitative Methoden: Regressionsanalysen, Strukturgleichungsmodellierung, faktoriellen Umfrageexperimente
  • Qualitative Methoden: Grounded Theory, biografisch-rekonstruktive Forschung
Aktuelle Projekte

Politische Teilhabeansprüche in Migrationsgesellschaften: Politische Inklusion wird nicht nur durch formale politische Rechte geprägt, sondern auch durch Vorstellungen darüber, wer dazu berechtigt ist, politische Meinungen zu äußern und als legitime Teilnehmende am öffentlichen Diskurs anerkannt zu werden. Das Projekt untersucht, wie Personen mit Migrationsgeschichte ihren eigenen politischen Teilhabeanspruch erfahren und aushandeln und unter welchen Bedingungen Personen ohne Migrationsgeschichte diesen Anspruch anderen zugestehen. Auf Grundlage qualitativer Interviews, Gruppendiskussionen und Befragungsdaten untersucht das Projekt die Legitimität politischer Artikulation in Migrationsgesellschaften.

Die Wahrnehmung von Ungleichbehandlung (mit Steffen Mau, Thomas Lux, Nastia Nedjai und Claudia Diehl): Das Projekt untersucht auf Grundlage deutscher Umfragedaten, welche Ungleichbehandlungen in der Bevölkerung besonders salient sind und in welchen strukturellen Positionen und Wählerschaften die Aufmerksamkeit dafür besonders ausgeprägt ist. Im Fokus stehen dabei sowohl Ungleichbehandlungen zwischen sozialen Gruppen, etwa zwischen Armen und Reichen, Ost- und Westdeutschen, LGBTQ+ und Heterosexuellen oder Migrierten und Nicht-Migrierten, als auch die zentralen Bereiche, in denen Ungleichbehandlung stattfindet, wie Löhne, Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialer Aufstieg.

Die Bereitschaft, über Diskriminierung zu berichten, als Erklärungsansatz zum Integrationsparadoxon: Ihr aktuelles Projekt leistet einen Beitrag zur Literatur zum „Integrationsparadoxon“, demzufolge stärker integrierte Einwanderer und ihre Nachkommen häufiger von Diskriminierung berichten. Bestehende Erklärungsansätze unterscheiden zwischen (1) Unterschieden in der Häufigkeit diskriminierender Behandlung und (2) Unterschieden darin, ob und wie Erfahrungen kognitiv als Diskriminierung eingeordnet werden. Aufbauend auf diesen Erkenntnissen untersucht sie einen dritten potenziellen Mechanismus, der bislang wenig Beachtung gefunden hat: die unterschiedliche Bereitschaft, über Diskriminierung zu berichten. Um diesen Mechanismus zu prüfen, analysiert sie Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und vergleicht Diskriminierungsberichte aus intervieweradministrierten und selbstadministrierten Befragungen.

Ökonomische Ungleichheit aus Sicht von Zugewanderten: Dieses Projekt untersucht ökonomische Ungleichheit und Migration in ihrem Zusammenspiel, jedoch aus einer bislang vernachlässigten Perspektive. Anstatt sich primär auf die sozialstrukturelle Lage Zugewanderter zu konzentrieren, fragt es danach, wie Menschen der ersten Zuwanderungsgeneration ökonomische Ungleichheit in Deutschland wahrnehmen und bewerten, welche Vorstellungen von Verteilungsgerechtigkeit sie haben und inwieweit sie staatliche Umverteilung befürworten. Grundlage sind vielfältige Datenquellen, von Umfragedaten des deutschen Sozio-oekonomischen Panels bis hin zu Interviews und Gruppendiskussionen. Damit verbindet das Projekt Ungleichheits- und Migrationsforschung und trägt zu einem vertieften Verständnis von Wahrnehmungen ökonomischer Ungleichheit in Einwanderungsgesellschaften bei.

Auszeichnungen

2026 Deutscher Studienpreis, 2. Preis [link]

2026 Wolfgang-Enke-Preis 2025/2026 [link]

2026 Nominierung für den Preis der besten Dissertation 2025/2026, Sozialwissenschaftliche Fakultät, Georg-August-Universität Göttingen

2025 DAAD-Preis für hervorragende internationale Studierende, Georg-August-Universität Göttingen [link]

2024 Preis für das beste Poster, Inequality Conference, Konstanz [link]

2020 Niedersachsenstipendium

2019 Deutschlandstipendium

Wissenschaftlicher Werdegang

Seit 10/2025  Postdoktorandin in der Abteilung für Ungleichheit, Transformation und Konflikt, Max-Planck-Institut für Politik- und Sozialwissenschaft, Deutschland

12/2021–10/2025  Doktorandin in der Abteilung für soziokulturelle Vielfalt, Max-Planck-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften, Deutschland

10/2022–10/2025  Promotion im Fach Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen, Deutschland (Note: summa cum laude)

04/2019–08/2021  M.A. Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen, Deutschland (Note: 1,1, mit Auszeichnung)

10/2015–11/2018  B.A. Fremdsprachenphilologien, Universität Bergamo, Italien (Note: 110/110 cum laude)

Medien und Öffentlichkeit

Zeitungsinterview: „Zwischen Superreichtum und Armut: Migranten bewerten soziale Ungleichheit in Deutschland positiver“. HNA (Hessische/Niedersächsische Allgemeine), Juli 2026. Online verfügbar unter: https://www.hna.de/lokales/goettingen/goettingen-ort28741/zwischen-superreichen-und-armen-migranten-bewerten-soziale-ungleichheit-in-deutschland-positiver-94386117.html

Publikationen

 

Zuletzt geändert: 16. Oktober 2026

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